Heiraten trotz Corona – Ein Mutmacher

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2021. Das Jahr der Corona-Hochzeiten. Moment. 2021? War das nicht 2020? Don‘t get me started.

Ja, wir wissen es alle längst: Seit einem Jahr ist alles anders, auch die Hochzeiten. Dieser Blogpost soll dir Mut machen – Dir, der Braut, die doch schon seit Kindesbeinen an ihre perfekte Traumhochzeit fertig geplant im pastellfarbenen, goldbeschrifteten A4-Ordner abgeheftet hat. Dir, dem Bräutigam, der auf der eigenen Hochzeit doch einfach nur mit all seinen Kumpels richtig einen drauf machen und bis in die Morgenstunden feiern will.

Aber auch Dir, der Brautmama, die findet „Bei einem so einmaligen Erlebnis macht man doch aber keine Abstriche!“. Und Dir, dem Hochzeitsdienstleister, der sein ganzes Herzblut in jedes einzelne Sommerwochenende steckt, von „Herzblut“ alleine aber so langsam nicht mehr existieren kann.

Freie Trauung können wir immer noch…“

Als freie Traurednerin sah das Jahr 2020 wirklich mau aus. Denn die freie Trauung ist (augenscheinlich) der „Luxusartikel“ der Hochzeit. Solange man standesamtlich verheiratet ist, kann man mit der persönlichen, feierlichen, lustigen, emotionalen Trauung warten, bis wieder „alles beim Alten“ ist (ob man nun davon ausgehen kann, dass es ein „Altes“ geben wird, sei dahingestellt). Es hagelte also Absagen und Verschiebungen – die Gründe waren eigentlich immer gleich: „Standesamtlich heiraten wir dann zu zweit oder im engsten Kreis, die freie Trauung schieben wir dann so lange, bis alle wieder dabei sein können.“

Ich hab jede einzelne Absage oder Verschiebung verstanden. Sehr, sehr gut. Bis ich eine Handvoll kleiner „Corona-Hochzeiten“ begleiten durfte und völlig geflasht nach Hause gefahren bin. Liebe Brautpaare, ich weiß, dieser Satz ist nach fast 365 Tagen nahezu täglichen Hörens von euren Hochzeitsdienstleistern abgegriffen, aber ich möchte euch Mut machen: „Heiratet für EUCH!“ Wählt euren engsten oder auch allerengsten Kreis Lieblingsmenschen aus, bucht die Location, schreibt eure Eheversprechen und löst um Himmels Willen bitte, bitte die angezogene Handbremse!

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Foto: Clemens Hess

Freut euch nicht zu spät!

Es geht hier um euren Tag. Um eure Geschichte, eure Liebe, eure gemeinsame Zukunft. Trotz allem: Genießt die Vorbereitungszeit – stellt euch vor, am Ende habt ihr euch zu spät gefreut. ;-)

Ich begleite Paare, die inzwischen teilweise zum vierten Mal ihren großen Tag verschoben haben. Ob die Planung und Umsetzung da wirklich mehr Spaß macht, als „einfach“ umzuplanen und die Hochzeitstraditionen mal ein bisschen neu zu schreiben?

Lasst mich euch von drei wunderbaren Beispielen erzählen.

Da wären einerseits Tanja und Daniel. Die beiden heirateten standesamtlich im April 2020 zu zweit. Also gänzlich ohne Gäste vor Ort. Nachmittags haben sie aber doch mit all ihren Liebsten zusammen Kaffee getrunken und von ihrem Tag erzählt – natürlich ganz coronakonform virtuell per Zoom. Alle haben mitgefiebert und sich wahnsinnig für die beiden gefreut.

Tanja und Daniel haben sich extra die Zeit genommen und mir ein paar Fragen beantwortet zu ihrer Hochzeit, die sie dann im Oktober feierten – inklusive freier Trauung und 25 Gästen.

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Foto: Clemens Hess

Ihr habt euch 2020 getraut! Gleich zwei Mal: Im April wart ihr nur zu zweit im Standesamt und im Oktober durften 25 Gäste mit euch eure freie Trauung feiern. Welche Gedanken haben euch letztlich dazu bewegt, auf eure freie Trauung nicht zu verzichten bzw. sie auch nicht weiter zu verschieben?

Nachdem wir unsere standesamtliche Trauung zwar auch schön gestaltet haben, stand für uns fest, dass wir mit unserer Familie und Trauzeugen dieses Ereignis nochmal feiern wollten.

Eine Woche vor der geplanten Hochzeit im Oktober gab es die Personenbegrenzung von 25 Personen. Bis dahin waren noch Feiern mit bis zu 75 Personen möglich.

Die Entscheidung für die Feier haben wir letztendlich auf Grund der folgenden Punkte getroffen:

Die große Freude auf unsere freie Trauung sowie unseren Tag! Wir wollten unsere Eheschließung noch einmal mit der Familie und unseren Trauzeugen erleben.

Es gab keine Perspektive, in welchem Rahmen die Trauung 2021 oder auch 2022 stattfinden könnte. Und wir waren einfach viel zu neugierig und gespannt auf den Inhalt der Traurede!

Wie habt ihr den Tag erlebt?

Alles lief ganz anders als ursprünglich geplant, aber im Rahmen der Möglichkeit hatten wir einen wundervollen Hochzeitstag, umgeben von unserer Familie und Trauzeugen. Gegen die strahlende Herbstsonne hatte selbst Corona keine Chance.

Für uns war es unser perfekter Hochzeitstag. Der Tag war aufregend vor Spannung, emotional, lustig, liebevoll und entspannt. Unsere Trauzeugen und Familien haben dafür gesorgt, dass wir trotz den Umständen unseren Hochzeitstag nie vergessen werden. Auch wenn wir nicht die große Party am Abend hatten, sondern nur ein gemütliches Abendessen mit unserer lieben Familie, sind wir spät nachts müde, aber sehr glücklich, ins Bett gefallen.

Was waren die Rückmeldungen eurer Gäste, die dabei waren und wie haben die reagiert, die „ausgeladen“ werden mussten aufgrund der Gästelimitierung?

Die Gäste empfanden den Tag, trotz der Umplanung, als wunderschön. Nicht die Party, sondern die Trauung ist in den Vordergrund gerückt, was die Hochzeit zu etwas ganz Besonderem gemacht hat.

Alle Gäste haben natürlich die Wochen vor der Hochzeit mit uns gehofft und gezittert. Als dann die Einschränkung kam hatten alle Gäste, die leider nicht kommen konnten/durften, großes Verständnis. Sie haben uns nach der Hochzeit nicht nur mit tollen Geschenken überrascht, sondern auch mit virtuellen Feiern, sodass wir auch nach unserem Hochzeitstag unsere Hochzeitsoutfits noch präsentieren konnten.

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Foto: Clemens Hess

Was waren die schönsten Momente an diesem Tag für euch?

Der ganze Tag war insgesamt perfekt! Besonders schön war die freie Trauung inklusive Zeitreise unserer Beziehung und persönlichen Überraschungen. Vor der freien Trauung fand der First look statt, was für uns einer der schönsten und intimsten Momente war.

Die Zeit mit unseren Gästen darf auch nicht vergessen werden. Durch die begrenzte Gästeanzahl hatten wir genug Zeit mit all unseren Gästen zu sprechen ohne dabei Stress zu empfinden. Die Stimmung war einfach toll und unsere Gäste haben uns auch nach der Trauung mit einigen Spielen überrascht. Es war ein toller und unvergesslicher Tag.

Wie würdet ihr euch rückblickend entscheiden? Würdet ihr noch einmal so heiraten?

Ja, wir würden uns definitiv wieder so entscheiden. Eine freie Trauung, auch in einem kleinen Rahmen, ist genauso schön wie in einem großen Rahmen. Wir haben gelacht, geweint und einfach die tolle Rede genossen. Während der Trauung geht es um das Brautpaar und weniger um die Anzahl der Gäste. Natürlich wäre eine Party am Abend mit all unseren Lieblingsmenschen schön gewesen, aber das werden wir nachholen. Nochmal ein Grund das Hochzeitsoutfit anzuziehen.

Welchen Ratschlag könnt ihr Brautpaaren geben, die gerade mit der Entscheidung hadern, ihre Hochzeit zu verschieben oder abzusagen?

Trotz aller Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen sollte die Freude an der Heirat nicht verloren gehen. Wer positiv an die Sache ran geht, kann auch in der Pandemiezeit eine tolle Hochzeit feiern. Schließlich geht es nicht um die Gäste, sondern um das Brautpaar. Uns ist bewusst geworden, dass die Trauung eine noch größere Bedeutung gewonnen hat.

Auch in kleiner Runde kann es ein unvergesslicher Hochzeitstag werden, vielleicht sogar intimer als in einer großen Gesellschaft.

Wer zur Pandemiezeit auf die klassische Party verzichten kann und die Trauung in den Vordergrund stellt, sollte in Erwägung ziehen, die Hochzeitsfeier jetzt stattfinden lassen.

Danke, liebe Tanja und lieber Daniel, für eure Zeit und für den wunderschönen Tag, den ich zur freien Trauung mit euch verbringen durfte!

 

Folgenden Ratschlag gebe ich aktuell „meinen“ Brautpaaren, die unsicher sind: Macht eine Prioritätenliste für den Tag: Worauf könntet ihr in keinem Fall verzichten? Steht ganz oben „Fette Party mit 100 Gästen“? Dann freundet euch mit dem Gedanken an, auf euren Tag noch etwas zu warten. Steht da jedoch: „Gutes Essen“, „Eine schöne Trauung“, „Unser Hochzeitsoutfit!“, „Meine liebsten Menschen“, „Wertvolle Erinnerungen“ oder ganz schlicht „Der Mensch an meiner Seite und die Ehe, die auf uns wartet“ – dann plant eure Hochzeit! Denn all das könnt ihr auch im kleinen Rahmen haben.

Erstellt danach am besten schon mal eine Liste der Menschen, auf die ihr unter gar keinen Umständen verzichten könnt. Die also unbedingt physisch bei euch sein sollen und nicht „nur“ virtuell. Habt ihr diese Liste geschrieben, wisst ihr, was eure Mindestgästeanzahl ist, unter der ihr nicht heiraten möchtet.

Und danach entspannt ihr euch. Wartet bis ca. anderthalb Monate vor eurem Hochzeitstag, setzt euch dann zusammen und entscheidet auf der Grundlage der aktuellen Kenntnisse, Regelungen und eurem persönlichen Gefühl. Und sprecht mit eurem Hochzeitsteam, also euren Dienstleistern für den Tag. Nehmt sie mit in euren Planungen und Gedanken.

Liebe Sommerbrautpaare,…“

…nach meinem Empfinden fallt ihr in eine ganz andere Kategorie. ;-) Ja, wir haben alle keine Glaskugel und wissen jetzt, was mit eurer Hochzeit sein wird, die für Juni, Juli, August oder September geplant ist. Und aus genau diesem Grund möchte ich euch raten: Sagt nicht jetzt schon ab oder verschiebt. Im vergangenen Juli und August fanden Hochzeiten mit je 75 Gästen statt und jedes einzelne Brautpaar, das wir begleitet haben, ist rückblickend einfach nur wahnsinnig froh, den Tag genau so erlebt zu haben.

J. und S. beispielsweise machten sich vorab viele Gedanken dazu, wie sie die Empfehlungen und alle Hygienevorschriften umsetzen und ihre Gäste schützen können – denn, auch wenn es darum in diesem Beitrag nicht geht, sollte bitte, bitte klar sein, dass genau das in die Planung integriert werden muss. Dazu gibt es schon ganz tolle Ideen und Konzepte, die sich für die Hochzeitsfeiern umsetzen lassen. Das aber nur als (wichtiger) Nebensatz.

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Foto: www.tinaundmaxim.de

Nachdem J. Und S. also all das durchdacht, geplant und organisiert haben, feierten sie ihre Sommerhochzeit mit 75 Gästen, größtenteils im Freien, an einem ihrer absoluten Lieblingsorte. Und für uns war es eines der Highlights 2020.

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Foto: www.tinaundmaxim.de
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Foto: www.tinaundmaxim.de

Und dann wären da noch A. Und R. Die beiden haben ihre Hochzeit mit freier Trauung von Mai auf Oktober 2020 verschoben – wer hätte im März schon gedacht, dass wir im Oktober noch immer „kreativ“ sein müssen? Außer der Gästeanzahl hat sich für die beiden nicht viel in der Planung geändert: Es wurde ein Kreis von 25 Menschen, die sich allerhand für die beiden einfallen ließen. Und ansonsten gab es alles, was es auch mit 80 Gästen gegeben hätte – und sicher noch mehr. ;-)

Die freie Trauung fand in der Scheune des Kloster Engelthal statt und konnte dank der geringen Gästeanzahl noch persönlicher werden, indem die meisten Gäste direkt oder indirekt einbezogen wurden. Das Brautpaar sah umwerfend aus in vollem Hochzeitsoutfit.

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Foto: www.tinaundmaxim.de

Es gab leckere Torte, Gruppenbilder, Überraschungen, wunderschöne Deko, ein Brautpaarshooting, ein üppiges Buffet, einen DJ, der für Stimmung sorgte, Überraschungsbotschaften aller ursprünglich geladener Gäste, die zu Hause schick gekleidet auf das Brautpaar tranken und Wünsche schickten. Es gab Freudentränen und lautes Lachen. Emotionen – sie waren alle da!

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Foto: www.tinaundmaxim.de

Also sorgt euch nicht, dass etwas fehlen könnte. Feiert das, was da ist! Richtet euren Fokus darauf. Ob mit 120 Gästen, 25 oder zu zweit: Schnürt das Brautkleid, esst die Torte, sprecht eure Ehegelübde, tanzt. Und freut euch bitte, bitte nicht zu spät! ;-)

 

Fotos der Hochzeit von Tanja & Daniel: Clemens Hess https://www.clemenshess-hochzeitsfotograf.de/

Fotos der anderen Hochzeiten: www.tinaundmaxim.de

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